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Claudia, 61, Stigmatisierung im Alter

«Meine Generation von HIV‐Positiven kommt ins Pensionsalter. Ich finde es befremdend, wie viele Vorurteile und Angst gegenüber HIV‐Betroffenen in der Altenpflege noch herrschen». Claudia Z.* hat ihre Diagnose bereits in den 80er Jahren erhalten. Trotz medizinischem Fortschritt und viel Aufklärungsarbeit hält sich die Diskriminierung hartnäckig, so die Erfahrung von Claudia Z*.

Mein erster Mann ist noch an Aids gestorben und damals, Anfang der 80er Jahre, gehörte auch ich zur Risikogruppe. Mit knapp 30 Jahren habe ich dann eine HIV‐Therapie begonnen. Ich habe sehr gelitten, die Medikamente waren damals unvergleichlich «heftiger» als heute. Im grossen Ganzen hatte ich Glück: Es war immer jemand da, der mir half, allen voran mein späterer Partner. Ich war damals ein Wrack und er blieb immer an meiner Seite, bis zu seinem überraschenden Tod im letzten Jahr.

«Es war eine grauenhafte Zeit. Damals hörte man auch noch Dinge wie, wir HIV‐Betroffenen sollen tätowiert werden, um andere vor uns zu schützen.»

Heute sind meine Werte okay und ich gehe regelmässig zur Kontrolle. Die frühen Jahre, als das Virus noch unerkannt in mir «schlummerte» und es noch keine Therapien gab, forderten ihren Tribut. Mein Körper hat einiges mitgemacht, auch eine inzwischen geheilte Hepatitis-C-Erkrankung. Heute bin ich auf die Unterstützung von Pro Senectute» angewiesen, um den Haushalt in Schuss zu halten.

Was mir schon zu denken gibt: Es herrscht immer noch sehr viel Unwissen über HIV in der Gesellschaft allgemein, aber auch im Gesundheitswesen. Bei Pro Senectute sagte man mir, ich müsse ihre Mitarbeiterin gleich beim ersten Gespräch darüber informieren, dass ich nicht ansteckend bin. Das habe ich natürlich getan. Sie hat sich sehr erschrocken gezeigt und mir beim nächsten Besuch erzählt, sie hätte sich inzwischen selber im Internet über HIV informiert.

So was darf einfach nicht sein! Pflegeheime, Spitex, Pro Senectute und alle anderen, die alte oder kranke Menschen pflegen, sollten geschult sein. Und Bescheid wissen, dass bei funktionierender antiretroviralen Therapie mit nicht nachweisbarer Viruslast kein Infektionsrisiko mehr besteht. Und dass in diesem Fall auch keine besonderen Hygienemassnahmen erforderlich sind.

«Diskriminierende Situationen wie diese – im Gesundheitswesen, aber auch auf Ämtern und mit Versicherungen –, das erlebe ich schon seit Jahren.»

Vor allem mit meiner Vergangenheit als Suchtkranke. Gehört man einmal zur Risikogruppe, muss man nicht mit Mitgefühl rechnen. Auch nicht von Ärzten. Daran habe ich mich gewöhnt. Woran ich mich aber nicht gewöhnt habe, ist das Gefühl, als Frau mit HIV noch negativer angeschaut zu werden, als ein von HIV betroffener Mann. Und irgendwie auch einsamer damit ist. Manchmal hätte ich mir gewünscht, auch zur homosexuellen «Community» zu gehören.

* Name geändert


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