Zum Hauptinhalt springen
Logo Embrace Life

Katy, 19, Jugendzeit und HIV

«Meine Mutter ist gestorben, als ich zwei Jahre alt war, als Achtjährige habe ich dann auch meinen Vater verloren. Ziemlich sicher an Folgeerkrankungen von Aids. An diese Zeit erinnere ich mich noch gut: Er lag meist krank im Bett und ich musste ihn immer wieder wecken und den Arzt rufen. Irgendwann ist er nicht mehr aufgestanden. Ich war als Kind auch öfters krank, bin immer wieder umgekippt und habe meine Stimme verloren. Was mit mir los war, wusste ich damals noch nicht.

Mit 11 Jahren bin ich dann mit meiner Tante und meinem sechs Jahre älteren Bruder aus Äthiopien in die Schweiz gekommen. Dass ich HIV-positiv bin, weiss ich, seit ich im Kinderspital in Zürich war. Seither bin ich unter einer antiretroviralen Therapie und bin sehr selten krank. Psychisch geht es mir nicht so gut, ich habe immer wieder Depressionen

«Ich habe weniger Probleme mit dem HI-Virus selber, aber die Stigmatisierung, die setzt mir zu.»

Es belastet mich und macht mich wütend, wenn ich auf das HI-Virus reduziert werde und die Leute schlecht informiert sind. Mein Onkel sagte immer zu mir, ich soll meinen Bruder nicht anstecken und mir später einen Bürojob suchen, denn für alles andere sei ich sowieso zu schwach. Das stimmt alles nicht! Heute bin ich im 1. Lehrjahr als Köchin und mein Ziel ist es, nach Abschluss der Lehre eine eigene Wohnung zu haben. Ich möchte ein normales Leben führen wie alle anderen.

Meine Chefin ist über meinen HIV-Status informiert. Grundsätzlich bin ich sehr vorsichtig, wem ich davon erzähle. Als ich jünger war, erzählte ich einer Schulkollegin, dass ich HIV-positiv sei. Sie ging zu ihrer Mutter, die wiederum zum Lehrer, der zu meiner Bezugsperson … es wurde über mich geredet, dass ich «krank» sei, aber niemand wusste wohl genau, was damit anzufangen sei. So was stresst mich und zieht mich runter.

«Ich finde, dass es wichtig wäre, im Sexualunterricht in der Schule das Thema HIV besser abzuhandeln und alle auf den neusten Stand zu bringen.»

Ich bin sehr froh, dass ich inzwischen ein paar Menschen in meinem Leben habe, die mich unterstützen. In der «Swiss Youth + Group» zum Beispiel: Ich fühle mich sehr wohl in der Gruppe und bin glücklich, Freunde gefunden zu haben, die verstehen, wie es mir mit HIV geht.»

* Name geändert

 

Mehr Artikel