Zum Hauptinhalt springen
Logo Embrace Life

Mia, 32, HIV und Beziehungen

Mia, 32, HIV und Beziehungen

«Ich überlege mir jeweils gut, wem ich von meiner HIV‐Infektion erzähle. Die meisten denken sofort, ich sei krank, ansteckend und müsse jung sterben – kaum einer ist richtig aufgeklärt, wenn es um HIV geht.» Mia* ist 32 Jahre alt und weiss seit Dezember 2015, dass sie HIV‐positiv ist. Ihr Partner konnte nicht damit umgehen und hat sie verlassen.

Ich ging früher regelmässig Blut spenden. Eine sinnvolle Sache, finde ich, denn gleichzeitig werden auch noch umfangreiche Tests gemacht, die nichts kosten. Bei einer Blutspende im Jahr 2010 waren alle meine Werte noch gut. Doch als ich 2015 für eine Stammzellen‐Blutspende aufgerufen wurde, erreichte mich die Hiobsbotschaft: Verdacht auf HIV!

Ich war geschockt, als mir der Assistenzarzt im Blutspendezentrum Basel die Diagnose mitteilte. Ich wollte die Nachricht erst einmal verdauen, mit meinem Freund besprechen und ihn zum Termin beim Infektiologen mitnehmen. Der Assistenzarzt ignorierte meinen Wunsch und machte Zeitdruck – als käme es auf jede Stunde an. Das war schrecklich.

«Mich macht es heute noch wütend, wenn ich daran denke. Gerade von Fachpersonen sollte man erwarten können, dass sie den Betroffenen nicht zusätzlich Angst machen.»

Inzwischen werde ich sehr gut von meinem Infektiologen betreut. Mein Mobiltelefon erinnert mich jeden Tag an die Einnahme des Medikamentes und ich gehe alle sechs Monate zur Kontrolle. Ich fühle mich gut
und schaue vielleicht sogar mehr auf mich als «gesunde» Menschen. Ich sage mir auch, dass andere Leute auch regelmässig Medikamente nehmen und zum Arzt müssen.

Was schon einschneidender ist, ist der Umgang mit Vorurteilen. Mein Sozialleben hat sich auf jeden Fall verändert. Meine Beziehung zum Beispiel hat nicht gehalten. Mein damaliger Freund hat mich wenige Monate nach der Diagnose verlassen. Er selber war HIV‐negativ und sagte mir, er könne nicht mit meiner HIV‐Infektion umgehen. Das war schon hart.

Die Diagnose ist auf dem Tisch, ich bin unter funktionierender Therapie und für andere keine Ansteckungsgefahr mehr. Ich nehme die Medikamente wie vorgeschrieben, denn ich will ja auch gesund bleiben. Das Misstrauen und die Unwissenheit, welche ich bei Gesprächen erlebe, stresst mich und ist anstrengend. Immer wieder aufklären!

«Es ist schon schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden über den HIV‐Status zu reden. Wem und wann sage ich es?»

Meine Schwester weiss es und ein paar Freunde. Meinen Eltern habe ich bis heute nichts gesagt. Die machen sich dann nur unnötig Sorgen und es könnte zum Dauerthema werden. Aber ja, es macht es nicht leichter, einen Partner zu finden. Ich will später auch Kinder haben, das ist eigentlich auch kein Problem mit der richtigen Therapie und ärztlichen Betreuung. Die Vorurteile in den Köpfen der Menschen, das macht es schwierig für uns HIV‐Positiven. Das ist das grösste Problem.

* Name geändert


Mehr Artikel