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Positive Frauen Schweiz

Weshalb brauchen HIV‐infizierte Frauen eine Selbsthilfegruppe wie «Positive Frauen Schweiz»? Auch wenn die HIV‐Therapie heute viel einfacher geworden ist, leiden doch viele sehr unter den Vorurteilen. In der Allgemeinbevölkerung und gerade bei heterosexuellen Männern ist das Wissen über HIV und der praktisch inexistenten HIV‐Übertragung unter erfolgreicher HIV‐Therapie (siehe hier LINK zu U=U) immer noch sehr dürftig. «HIV‐positive Frauen haben keine Lobby wie homosexuelle Betroffene, das muss sich ändern», so Dr. med. Barbara Bertisch, Präsidentin von «Positive Frauen Schweiz».

Die Selbsthilfegruppe wird geleitet von Frauen, die schon viele Jahre mit der HIV‐Diagnose leben und das Rückgrat der jeweiligen Gruppe bilden. In einer vertrauensvollen Atmosphäre lernen die Frauen voneinander. Was in einer Arztsprechstunde kaum Raum hat, kann in diesem Rahmen zur Sprache kommen: «Belastend für viele Frauen ist nicht nur, dass sie betroffen sind, sondern dass sie auch noch Informationsarbeit für ihr Umfeld leisten müssen», erläutert Dr. Barbara Bertisch. HIV wird automatisch  mit Drogenkonsum oder ausschweifendem Sexualleben assoziiert. «Tatsächlich haben sich die meisten von ihnen heterosexuell infiziert, oft in der festen Partnerschaft.»

Lernen, darüber zu reden

In der Gruppe treffen Frauen mit den unterschiedlichsten Lebensläufen aufeinander. Die Diagnose aber, verbindet sie und das gegenseitige Verständnis stärkt sie für den Alltag. Wünschenswert wäre es, mehr Frauen mit Migrationshintergrund zu erreichen, meint Dr.Barbara Bertisch: «Frauen aus den Staaten südlich der Sahara sind überproportional von HIV betroffen.» Auch sie finden hier in der Schweiz kaum eine Möglichkeit über ihre Sorgen zu sprechen und verheimlichen oft ihre Infektion. Das Netzwerk der «Positiven Frauen Schweiz» soll zudem die Frauen motivieren, auf sich und ihre Gesundheit zu schauen, sie vor sozialem Rückzug schützen und eine Ergänzung zur ärztlichen Begleitung bieten.

«Austausch, nicht allein sein mit dieser Diagnose, Solidarität, Unterstützung. Zu wissen, wir sind - trotz Diagnose - ja alles ganz tolle Frauen! Das tut sehr gut!»
— Ronja, 31

«Frauen mit HIV können ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sein. Aber die Gemeinsamkeit durch unsere Diagnose schafft einen ganz besonderen Zusammenhalt. Das macht jedes unserer Gruppentreffen einzigartig und für mich persönlich sehr wertvoll.» — Ursula, 51

«Die ersten Monate dachte ich, HIV und schwanger, etwas Schlimmeres kann mir gar nicht passieren, da bleibt nur die Abtreibung. Dann traf ich zwei HIV-positive Mütter, sah ihre gesunden, fröhlich herumtollenden Kinder. Das hat mir wieder Mut gemacht. Und jetzt bin ich selber stolze Mutter eines viermonatigen Buben!»
— Giulia, 25


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